Projekt Kachelofen

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Carl Alfred Hoch, Konditormeister und Küchenchef 1878-1945

Auf dem Dachboden meines Elternhauses ruhte über ein halbes Jahrhundert ein abgebauter Kachel-Grundofen, der einst unsere „Konditorei und Weinstube Carl Hoch“ in Überlingen mit wohliger Wärme erfüllte. Mein Urgroßvater muß ihn 1903, als er die Liegenschaft von Zuckerbäcker Joseph Bachstein erworben  hatte, im Zuge des damaligen Umbaues bei der renommierten Ernst Teichert Kachelofenfabrik GmbH zu Meissen in Auftrag gegeben haben.

Er befand sich in der Ecke des Stammtisches im Oberen Lokal und wurde von dem jeweils diensthabenden Konditorgesellen, der auch für die Kohlenbefeuerung des Backofens zuständig war, von der rückseitig gelegenen Backstube aus beheizt. Der Ofen war seinerzeit nicht nur eine behagliche und von den Gästen gern aufgesuchte Wärmequelle, er hat auch durch seine Ästhetik und schlichte, zeitlose Eleganz immer begeistert. Seine glatten Kacheln sind randseitig mit dicken, im Verlauf heller werdenden Pinselzügen in duftigen Blau und Siena gehalten, in der Kachelmitte mit einem schlichten Motiv von Misteln verziert. Sonst nichts. Zeitlos elegant, und trotzdem hat ihn in den Sechziger Jahren die moderne Öl-Zentralheizung und der damals noch ungebrochene Fortschrittsglaube von der Gaststube hinaus in eine dunkle, vergessene Ecke des Dachbodens verbannt.008

Vater und ich erinnerten uns wieder an ihn und beschlossen, ihn zu bergen, zu verpacken und mit auf die lange Reise über den Alpenhauptkamm zu nehmen. Und wir sind sicher, daß er bei uns in der alten Engelwirthstube im Zuge der Sanierung einen neuen guten Platz finden und vom Fletz aus befeuert wieder viele Jahre auch dieser Gast- und Wohnstube behagliche Wärme spenden wird.

Zum Winter in etwa zwei Jahren, so hoffen wir, haben wir auch dieses Projekt verwirklichen können. Liebe Besucher, dann seid´s willkomm´, tretet ein und verweilt´s!011

 

 

Bodenarbeit

120An einem grauen Januarabend waren die Rückbauarbeiten des baufälligen Saalbodens und sechs darüber verlegten Schichten aus Stragula, Hartfaserplatte und Gummibelag fast abgeschlossen. Nur dem „guten Willen“ dieser zwar zähen, trotzdem unästhetisch anzuschauenden Materialien war es in den letzten Jahren des Gasthausbetriebes wohl zu verdanken, daß es nie den vollkommenen Z´amm´bruch gab und vielleicht eine ganze Tanzgesellschaft „im Boden versunken“ wäre; gerade im hinteren Saalbereich, unter dessen Dielen sich nämlich keine Schüttung sondern ein Meter Hohlraum befindet…

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Trotz der Freude und Erleichterung über den zurückliegenden Kraftakt gab mir die ständig noch unverändert gebliebene Feuchtigkeit im unteren Bereich der Westfassade doch zu denken. Es mußte etwas geschehen, sonst haben wir bald schon das nächste…

Ich begann dort, wo die Verputzschäden am gravierendsten sind, die Sandschüttung des Bodens aufzugraben. Bald zeigten sich die wasch´lnasse Ziegelfundamente, und es ging mühsam aber doch rasch voran, einen halben Meter tiefen Graben entlang der Fundamentmauer auszuheben und etliche gefüllte Scheibtruhen mit Sand – Lehmgemisch ins Freie zu bringen.

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Fünf Stunden und drei Puntigamer später waren die Grabungsarbeiten fertig und die Fundamentmauer kann nun bei tagsüber guter Lüftung des Saales in der steirischen Vorfrühlingssonne austrocknen.

Winterzauber in der Steiermark

096Dass es in einem Weinanbaugebiet auch mal kalt werden kann, ist nicht ungewöhnlich und auch nicht wirklich unerwünscht. Dennoch sind Temperaturen unter -10° an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen im Südoststeirischen Vulkanland doch ungewöhnlich.

So bewegten sich im nahegelegenen Gleisdorf, dem Ort mit den meisten Sonnenstunden in Österreich, jüngst die Tagestemperaturen im Durchschnitt um -14°. Wenn aber die Sonne einen wunderschönen Wintertag mit blauem Himmel und bizarren Schneegebilden hervorzaubert, ist die Kälte vergessen.

Ausblicke nach Westen auf die schneebedeckten Felder der Koralpe und nach Osten auf das idyllische Kirchberg im Raabtal sind ein Geschenk der Natur. Die Kraft der Sonne lässt schon die länger werdenden Tage genießen, und eine Vorahnung von südlichem Licht, baldigem Tauwetter und der Nähe zur Adria weckt Träume von unserem ersten Frühling beim Engelwirth.

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