20. Juli – Gedenken an Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Nun lebe ich schon eine Weile in der Steiermark, und jetzt, in der heißen und schwülen Sommerzeit, gibt es einen Tag, der mir persönlich sehr am Herzen liegt. Bis vor wenigen Jahren war er in Deutschland noch ein gesetzlicher Feiertag, der Tag zum Gedenken an das Attentat auf Adolf Hitler in der „Wolfsschanze“ zu Rastenburg in Ostpreußen. Viel bewegt die Menschen in Europa derzeit, und Gewalt und Übergriffe sind an der Tagesordnung. Dennoch und gerade deswegen habe ich unser Haus am 20. Juli zu Ehren von Claus Schenk Graf von Stauffenberg beflaggt, in der Hoffung, dass sein Andenken auch hier in Österreich nicht vergessen wird.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg, geboren 1907 in Jettingen im Königreich Bayern, entstammte einer Jahrhunderte alten deutschen Adelsfamilie. Seine militärische Laufbahn brachte ihn bis zu einem der obersten Befehlshaber der Wehrmacht. Mit anfangs großer deutschnationaler Einstellung sympathisierte er vor allem mit den revisionistischen Aspekten des NS-Regimes, welche er jedoch bald, zusammen mit etlichen weiteren hochrangigen Militärangehörigen, als verbrecherisch erkannte. Von langer Hand geplant wurde die „Operation Walküre“, welche u. a. die  Beseitigung Hitlers und die Beendigung des Krieges beinhalten sollte.

Nach einem ersten geplanten Attentat am 11. Juli am Berghof in Berchtesgaden und einem weiteren Vorhaben desselben in der „Wolfsschanze“ am 15. Juli 1944, welche ausgesetzt wurden, weil Himmler und / oder Göring nicht mit anwesend waren, sah er am 20. Juli dann keine Möglichkeit eines weiteren Aufschubes mehr. Die für den Tag einberufene Besprechung mit Hitler fand allerdings eine halbe Stunde früher als vereinbart statt, so daß Stauffenberg lediglich noch Zeit hatte, nur einen der beiden mitgeführten Sprengsätze mittels einer Spezialzange – er war kriegsversehrt und besaß an seiner einen verbliebenen Hand nur noch drei Finger – zur Sprengung vorzubereiten. Dazu fand die Besprechung dieses Mal in einer Holzbaracke statt; nicht wie gewöhnlich, in einem massiven Betonbunker.

Stauffenberg gelang es, den in einer Aktentasche verstauten Sprengsatz unter dem Schreibtisch bis etwa zwei Meter neben Hitler zu schieben. Mit der Entschuldigung, draußen am Wagen telefonieren zu müssen, gelang es Stauffenberg die Baracke und das Gelände rechtzeitig zu verlassen. Trotz der heftiger als erwartet ausgefallenen Detonation überlebten 20 der 24 im sich Gebäude befindenden Personen – einschließlich Hitler. Er hatte es wohl der massiven steinernen Schreibtischplatte zu verdanken, sowie auch der Holzbaracke, in welcher die Sprengkraft bei weitem nicht so wirksam ausfallen konnte wie in einem massiven Gebäude.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg 1907-1944
Claus Schenk Graf von Stauffenberg 1907-1944

Stauffenberg warf den zweiten, nicht eingesetzten Sprengsatz während der Fahrt aus dem offenen Wagen in ein Kornfeld. Er kehrte in der Annahme, daß das Attentat gelungen sei, zurück nach Berlin und wollte die weiteren Vorgehen der „Operation Walküre“ einleiten. Dazu kam es nicht mehr. Auf Befehl von Generaloberst Friedrich Fromm wurde Stauffenberg verhaftet und kurz nach Mitternacht im Hof seiner Dienststelle im Bendlerblock von regimetreuen SS-Leuten „standrechtlich“ erschossen, zusammen mit seinen Kameraden Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht. Ihrer Hinrichtung sollten noch weitere 200(!) Personen folgen, unter ihnen bekannte Persönlichkeiten wie General von der Schulenburg; der evangelische Geistliche Dietrich Bonhoeffer; Generalfeldmarschall Erwin Rommel, genannt „der Wüstenfuchs“, der Vater des späteren sehr beliebten, langjährigen Stuttgarter Oberbürgermeister.

Graf von Stauffenberg und die Männer des 20. Juli 1944 haben in einer überaus schweren Zeit Mut und Zivilcourage gegen Unrecht und ein verbrecherisches Regime bewiesen. Sie haben die Zeiten des bald darauf folgenden Friedens nicht mehr erlebt. Wir sollten sie nicht vergessen.

Johanni-Feuer

Wie so viele Bekannte und Freunde in letzter Zeit immer wieder sagen: „…das ist halt ein Schaltjahr!“ und damit die verrückten Kapriolen des Wetters und das Klima dieses Katastrophen-Sommers kommentieren, so haben auch wir uns ein paar Tage „verrückt“ und den Johanni-Tag und die Sommersonnenwende um ein paar Tage nach hinten verschoben. Es scheint ja sowieso alles aus den Fugen geraten zu sein in diesem Sommer, und Hitze und Kälte, Sonne und Niederschlag wechseln sich ab wie auf Fortuna`s Rad.

Ein Apfelbaum auf der Auslauffläche, der seit dem letzten Winter schon abgegangen war von der Last der Mistelzweige und der als Schattenspender nicht mehr seine Dienste leisten konnte, wurde zum Johanni-Feuer.006

Und was am Tag zuvor noch als gewaltige Energie-Welle in den Himmel hinausloderte, verwandelt sich nun und wird hoffentlich den Boden rund um den alten Standplatz befruchten.

Schon steht ein neuer Kollege in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein Steirischer Glockenapfel – möge er reiche Früchte tragen. Und der alte Stamm wird im Winter seinen Weg finden zu neuer Schönheit. Das eine oder andere hübsche Brettl aus Apfelbauholz wird sicherlich eine neue Bestimmung finden bei uns am Engelwirth.005

Im Gasthaussaal wird´s wieder „Schneeweiß“…

Da der Sommer bei uns am Reithberg nun doch angekommen ist und sich jener Schimmelreiter, der  jahrelang in der Westfassade zugegen war,  sich nun endgültig aus dem Staub gemacht hat,  konnte ich die Innen-Westseite vom Saal neu anputzen und als zweiter Arbeitsgang mit einem Bio-Kalk-Feinputz, ein sehr gutes Produkt made in Austria, fertig überarbeiten. Nun ist es zumindest im vorderen Bereich des alten Gasthaussaales wieder „Schneeweiß“ geworden, und man kann an den beiden hundertjährigen eichenen Wirtshaustischen in vorerst wenigstens teilrestaurierter Umgebung Platz nehmen, ohne dass einem graust…001

„Is do no frei?“ – „Jo, freili is no frei; setz´ di her`er, no samma mehr`er…“002