Darf ich mich vorstellen: mein Name ist FUNDA

Einen weiten Weg habe ich zurückgelegt, hierher an den Reithberg bis zu meinem neuen Zuhause. Aber es ging doch ganz flott, dank dem bequemen Transporter, und es waren auch immer nette Kumpels dabei. Und ich muss sagen: hier ist es doch ein bisschen wie zuhause – die warme Sonne, das abwechslungsreiche Gelände, und richtig gut zu essen!

Meine Heimat Menorca habe ich verlassen, um meinen neuen Freunden hier in der Steiermark eine große Freude zu machen. Ich komme gerade recht, und habe meinen Platz in der kleinen Pferdefamilie schon ganz selbstverständlich eingenommen. Ich bin ja noch jung – macht aber nichts, denn die beiden Großen, sozusagen Mama und Papa (- komisch nur, die sind ganz weiß!) haben nichts dagegen, wenn mal einer ein paar Dummheiten macht! So habe ich z.B. auch wenig Respekt vor Zaunlitzen und kann eigentlich nicht verstehen, warum der große Reitplatz kein Pferdeklo oder zum Wälzen da ist …

Mal sehen, was mich hier noch so alles erwartet. Auf jeden Fall gibt es schon eine Menge Spaß und Unterhaltung, und bald werden wir sicherlich schon kleine Ausflüge machen, vielleicht sogar mit den Großen zusammen… Ich freu mich schon.

Vorfrühling und Vorfreude am Reithberg

Nun lässt es sich nicht mehr abstreiten: der Frühling kommt! Auch zu uns hier auf der Anhöhe zwischen dem Reithberggraben und dem Trössengraben. Die ersten Vorboten zeigen sich schon ganz mutig, und wir hoffen, dass sie nicht durch einen verspäteten Frosteinbruch oder allzu kalte Nächte enttäuscht werden.

Neben den bekannten Frühlingsknotenblumen zeigt sich auch auf dem nun freigelegten Gelände eine ungewohnte Blüte, die wie eine Scheinblüte in Art einer Christrose daherkommt. Wenn ich einmal Zeit habe, werde ich herausfinden, was für ein seltenes Pflänzchen das ist!

Nun hoffen wir auf weitere Erwärmung im Außen wie im Innen und freuen uns schon auf ein paar sonnige Stunden im Innenhof unseres Engelwirth.

Und: so viel kann schon verraten werden: bald gibt es einen Neuzugang zu feiern…

Mehr davon in Kürze.

R. I. P. Bruno Rees aus Überlingen 1939 – 2016

Noch bis vor einem Jahr, als ich noch draußen in der alten Heimat im Zustelldienst für einen privaten Briefpostanbieter beschäftigt war, gehörte Bruno Rees noch zum Stadtbild und zu meinen täglichen Begegnungen.
Ich kannte Bruno bereits schon als kleiner Bub; hat er zusammen mit meinem Vater die Volksschule in Überlingen besucht und war zu meiner Kindheit öfter zu Gast im Kaffeehaus meiner Eltern.
In dieser Zeit, den frühen 70er Jahren, besuchte Bruno alljährlich das Stadtfest von Rees am Niederrhein und war dort auch mit einem Stand vertreten – eine Hommage an seinen Familiennamen. Ende der 90er Jahre hat er am Überlinger Fasnetsunndig eine alte Tradition wieder ins Leben gerufen, die sogenannte „Ranzengarde“, bei der er einst selbst als Kind mit dabei war.
In den letzten Jahren haben wir uns meist bei meiner ersten Zustelltour in der Altstadt, oft schon im Morgengrauen, getroffen. Wir grüßten uns, wechselten ein paar Sätze, und nach einem „I wünsch´ Dir was, schaff´s guet heit!“ gingen wir beide wieder unsere Dienstwege.
Ja, unser täglicher Dienst; für Bruno seit vielen Jahren als Hausmeister in einem Hotel direkt am See, für mich damals seit einigen Jahren als Briefzusteller. „Dienst“ kommt von „dienen“. Viele, gerade junge Menschen unserer Zeit, tun sich allein schon mit dem Gedanken des Dienens schwer. Oftmals nicht nur mit dem Wissen darum, im Dienst zuverlässig und fleißig sein, und zupacken zu müssen, allein schon der Gedanke für jemanden anderen in Dienst zu sein, kratzt enorm an ihrem übersteigerten Selbstwertgefühl.
Um solch „schlimmen Schicksal“ zu entgehen, lassen viele junge postmoderne Menschen das mit dem Dienst und dem Dienen lieber gleich bleiben…

Vor längerer Zeit wären Bruno und ich fast noch Arbeitskollegen geworden. Bruno bekam einen neuen jungen Chef, dessen begüterter Vater das Hotel, wo er schon seit Jahrzehnten die gute Seele des Betriebes war, nach dem Ableben der betagten Vorbesitzerin aufgekauft hat. Dieser suchte den Sommer über eine Servierkraft für den Frühstücksservice.
Ein saisonaler Zuverdienst zur Briefzustellung, dachte ich mir, und auf die Empfehlung von Bruno stellte ich mich bei diesen neuen Besitzern vor.
Nie wieder etwas gehört, geschweige denn meine persönlichen Unterlagen je zurückbekommen; und, wie sich alsbald herausstellen sollte, der neue Chef, einer jener junger postmoderner Menschen, und Boheme.
Bruno wußte ja, wie der Has´ dort läuft. Er wühlte in den Altpapiertonnen und schaute frühmorgens zwischen die Kartonagen, die er an der Straße zur Abfuhr bereit stellen mußte – und wurde fündig.
Etwas später sind wir uns begegnet; Bruno mit meiner völlig zerknittert und verschmutzt aufgefundenen Bewerbungsmappe in der Hand… So war Bruno. 616760_storagescl-frame-718x480_1oegpw_z7apq31

Vor gut einem Jahr haben wir uns noch am Bodensee im Regionalzug Richtung Bregenz gesehen. Wir haben lange, bis zum Umstieg in Lindau, miteinander gesprochen. Ich erzählte, daß ich meinen Zustelldienst gekündigt und bald mit Edith von Überlingen weg in die Steiermark auf unser neu erworbenes Hofgut umsiedeln werde.
Bruno erzählte, daß es ihm gesundheitlich nicht mehr so gut geht und, wer weiß, es für ihn vielleicht bald zu Ende sein wird. Er wünschte uns alles Gute.
Mitte September, als ich bereits schon seit über ein halbes Jahr von Überlingen verzogen war, betreute Bruno, wie schon seit zwei Jahren, im Frühdienst das Rathaus – Cafe. Er bereitete die Außentische für den Tagesbetrieb vor; legte die Tischdecken, Blumen und Stuhlpolster auf. An jenem Tag ging er nach getaner Arbeit hinein zu seinen Kolleginnen, hat wortlos den Schlüsselbund auf den Tisch gelegt und ist gegangen.
Als ich den vergangenen Dezember über noch einmal in der alten Heimat bei meiner ehemaligen Firma im Briefpost – Frühdienst ausgeholfen hatte, habe ich Bruno dann nicht mehr getroffen. Kein morgendlicher Gruß, keine Worte mehr.
Bruno Rees verstarb am 18. September 2016 im Alter von 78 Jahren.
Nachruf seiner Freunde: „ … der Handwagen, die grüne Schürze, der Elbsegler, das war Bruno. Mir hond´s immer luschdig g´het“.
Das Zitat seiner jungen Kolleginnen vom Rathaus – Cafe: „Bruno war und ist eine Ikone“.
Ein schlichter Grabhügel unter alten Bäumen ist zu seiner letzte Ruhestätte geworden, hinter den prunkvollen Gräbern der Großen und Reichen direkt am Hauptweg. Was ist von letzteren denn übriggeblieben? So mancher Begüterter von ihnen hinterließ nichts, nicht mal den guten Ruf und die Liebenswürdigkeit, die Bruno über´s Grab hinaus gefolgt sind.
Ja, der Tod macht alles gleich in einer kurzen Spanne Zeit. Er ist der größte Sozialist und Kommunist, den es je auf Erden gegeben hat.
Mors Adäquator! Für jeden Menschenfreund eine große Beruhigung.