Den Pfad finden

Manchmal ist es schwer, in unbekanntem Gelände und auf steilem Terrain den Pfad zu erkennen. Das geht vielen Menschen so, vor allem wenn sie Stress haben, ängstlich sind oder schlicht und einfach schlecht sehen.

Ganz anders bei den Ziegen.

Unsere Hausziegen sind ja bekannlich mit den Gemsen und Steinböcken verwandt, was sich hie und da auch im Südoststeirischen Hügelland bemerkbar macht. So sind sie bei unseren häufigen Ausflügen in Wald und Flur stets treue Begleiter und folgen „ihrem“ Menschen in der Regel auf Schritt und Tritt.

Ganz anders jedoch, wenn sie – ganz für sich und ihrer Capriden-Natur folgend – einen Pfad vor sich erkannt haben, den sie als für tauglich wahrnehmen. Mehr noch, er könnte ja an einen geheimnisvollen und bis dato unbekannten Ort führen. Mit Sicherheit ein Wildwechsel, mit dem bloßen Auge fast nicht zu erkennen, außer an den minimalen unordentlichen Wellen im trockenen Buchenlaub. Hinführen tut er jedenfalls nirgends.

So haben sich die Ziegen an einer bestimmten Stelle im untersten Verlauf einer Steilschlucht entschieden, selbständig den Weg aufzunehmen. Mir blieb einen Moment lang das Herz stehen, als ich bemerkte, dass meine lieben Buben nun entschieden hatten, den Weg zurück in die Wildnis zu nehmen – ob ich folgen würde?

Doch aus Ernst wurde Spiel, und wie zu erwarten war, haben wir alle viel Spaß gehabt und sind dann müde aber glücklich wieder im heimatlichen Stall angelangt.

Dort gibt es Heu, Wasser, ein weiches Lager und – Freunde.

Und die möchte ich auf keinen Fall missen. Das Haustier ist mir doch ein allzu lieber Begleiter geworden.