Hühnerberg

Als ich diese Woche bei fast sommerlichen Temperaturen unsere Forstpflanzen im Landesforstgarten in Grambach abholen ging, machte ich zwei neue Bekanntschaften.

Nicht etwa mit Gleichgesinnten, Waldbauern, Baumfreunden oder naturverbundenen Menschen. Sondern mit zwei historischen, mich am Wegesrand grüßenden Gebäuden. Trotz ihres hohen Alters und den Spuren der Zeit und des wohl finalen Lehrstandes, welcher nicht unbemerkt an ihnen vorübergegangen ist, strahlten sie im hellen Märzlicht etwas Würdevolles, Offenes und Einladendes aus.

Wahrhafte Persönlichkeiten und stumme Zeugen einer längst vergangenen Epoche. Als ich durch ein zerbrochenes Fensterglas einen Blick ins Innere wage, kommt mir ein leichter Geruch nach Moder, Staub und altem Holz  entgegen. Ein eiserner Ofen, lange Wirtshaustische und ein paar Stühle stehen noch da, als ob die Wirtin nur eben hinters Haus gegangen wäre, um nach den Hoftieren zu schauen oder einen Korb mit Brennholz zu holen.

Die letzten, die hier einst gesessen sind, sind wohl vor Jahrzehnten schon aufgestanden und fortgegangen. Ein buntes Metallschild der Brauerei Reininghaus steht noch abgeschraubt in der Wand im Hausgang. Großer Feierabend.

Ob hier wieder einst Menschen zuhause sein werden, steht in den Sternen. Die Dacheindeckung beider Anwesen ist in gutem Zustand, ja fast neuwertig. Das läßt schon mal hoffen…

Marcel Sauter

Den Pfad finden

Manchmal ist es schwer, in unbekanntem Gelände und auf steilem Terrain den Pfad zu erkennen. Das geht vielen Menschen so, vor allem wenn sie Stress haben, ängstlich sind oder schlicht und einfach schlecht sehen.

Ganz anders bei den Ziegen.

Unsere Hausziegen sind ja bekannlich mit den Gemsen und Steinböcken verwandt, was sich hie und da auch im Südoststeirischen Hügelland bemerkbar macht. So sind sie bei unseren häufigen Ausflügen in Wald und Flur stets treue Begleiter und folgen „ihrem“ Menschen in der Regel auf Schritt und Tritt.

Ganz anders jedoch, wenn sie – ganz für sich und ihrer Capriden-Natur folgend – einen Pfad vor sich erkannt haben, den sie als für tauglich wahrnehmen. Mehr noch, er könnte ja an einen geheimnisvollen und bis dato unbekannten Ort führen. Mit Sicherheit ein Wildwechsel, mit dem bloßen Auge fast nicht zu erkennen, außer an den minimalen unordentlichen Wellen im trockenen Buchenlaub. Hinführen tut er jedenfalls nirgends.

So haben sich die Ziegen an einer bestimmten Stelle im untersten Verlauf einer Steilschlucht entschieden, selbständig den Weg aufzunehmen. Mir blieb einen Moment lang das Herz stehen, als ich bemerkte, dass meine lieben Buben nun entschieden hatten, den Weg zurück in die Wildnis zu nehmen – ob ich folgen würde?

Doch aus Ernst wurde Spiel, und wie zu erwarten war, haben wir alle viel Spaß gehabt und sind dann müde aber glücklich wieder im heimatlichen Stall angelangt.

Dort gibt es Heu, Wasser, ein weiches Lager und – Freunde.

Und die möchte ich auf keinen Fall missen. Das Haustier ist mir doch ein allzu lieber Begleiter geworden.

 

Lichtblicke

An den sehr kurzen Tagen zwischen der Wintersonnenwende und dem beginnenden Licht etwa gegen Anfang bis Mitte Februar gibt es hier manchmal ganz dramatische Wolkenformationen und bei guter, das heißt Hochdruckwitterung, auch hie und da wunderbare und bezaubernde Abend- und Morgenstimmungen.

Die Wolkendecke bildet einen regelrechten Deckel, unter dem das schräge Licht in oftmals dramatischen Farbgebungen hervorlugt und für wenige Momente den Himmel verzaubert.

Ein Geschenk für denjenigen/diejenige, der/die nach der Erfüllung der Pflichten, das heißt nach oder zwischen der getanen Arbeit sich frei machen kann für diese manchmal geradezu überirdische Pracht. Denn gerade bei Sonnenauf- und Untergang sind die meisten und wichtigsten Arbeiten in der Versorgung der Tiere und der Vorbereitung für die Nacht oder der Morgenfütterung zu erledigen. Und was wären wir dann ohne Licht? Auch wenn es nur in Form der obligatorischen Stirnlampe ist, ohne die eine Existenz und Betreuung hier im Offenstall und in der winterlichen Stallhaltung gar nicht denkbar wäre.

So ist jeder Morgen wieder ein Neubeginn und die Möglichkeit für eine gelungene Gestaltung im Miteinander. Und jede auch noch so kleine Abwechslung oder aber auch Herausforderung für die Schützlinge ist einfach eine Frage von Kreativität: Ziegen-Karussel mit Spielkampf im Liegebereich der Pferde bei Dauerregen oder Ausritt mit der 4-jährigen Stute bei Minus-Graden im Wald lässt sich alles arrangieren.

Liebevoll
das Alte
verabschieden
dem Misslungenen
eine Träne schenken
der Wärme
des Geglückten
nachspüren
der Sehnsucht
ein Feuerwerk
in den Himmel schicken
und voll Vertrauen
dem Neuen
die Hand reichen.
Roswitha Paas

Allen Menschen, die sich gelegentlich auf diesen Seiten tummeln, wünsche ich einen guten Übergang nicht nur in ein Neues Jahr, sondern auch in eine neue Dekade in diesem Jahrhundert, das sicherlich noch viele globale Herausforderungen mit sich bringen wird.

Das wachsende Licht möge Hoffnung schenken und Kraft und Zuversicht in die neuen Aufgaben.

Durchblick und Novembergrün

Jetzt im November gibt es ab und zu Tage, da sieht man nichts.

Denn wir leben dann in einer Wolke, das heißt, der dichte Nebel und die tiefhängenden Dampffetzen umgeben den Engelwirth wie eine Hülle aus Watte. Dann tropft alles und dampft, und die Feuchtigkeit zieht in die Glieder, in die Knochen und unters Fell. Da hilft nur einheizen und Tischherd und Kachelofen gut füttern!

Es ist nicht wirklich kalt, aber die mit mit Feuchtigkeit gesättigte Luft lässt die Tages- und besonders die Nachttemperaturen kälter erscheinen als sie wirklich sind. Diese hohe Luftfeuchtigkeit lässt auch in diesem nun schon vorletzten Monat des Jahres die landwirtschaflichen Kulturen immer noch in einer gewissen Fülle dastehen, und das Laub im Wald ist beharrlich und noch herbstlich. Der Boden ist bedeckt von einem bunten Teppich aus allen Schattierungen von Gelb, Braun, Rostrot, Orange, Grün…

Mich beeindruckt stets aufs neue die Bienenweide-Ansaat, die sich, nun völlig ohne Bienen, immer noch im satten, übergrellen Grün hartnäckig und unerschütterlich fröhlich gegen das Braun und Grau der Umgebung behauptet!.

So ist es oftmals nicht einfach, einen Durchblick zu bewahren. Dieser ergibt sich, wenn die Vegetation sich zurücknimmt, und neue Perspektiven tun sich auf, wenn Büsche und kleine Gehölzgruppen sich entlauben und die eigentliche Struktur des Geländes freigeben.

So soll es im nächsten Jahr einen neuen Pferdeauslauf geben, der sich über das Gelände des vom Wildwuchs zurückeroberten Hanges und den nun befreiten Bereich im Osten des Wohnhauses erstreckt. Mal sehen, ob die Equiden es schaffen, die Fläche für eine Neuansaat vorzubereiten.

Es ist eine Zeit der Veränderung, und der Übergang vom Sommer/Herbst zum Winter fällt allen schwer. Umso mehr, als dass Mensch und Tier sich nicht mehr verlassen können auf die Parameter und Rhythmen, die das Sonnenjahr für uns bereit hält.

Shadows in the Rain

I woke up in my clothes again this morning
I don’t know exactly where  i am
And i should heed my doctor’s warning
He does the best with me he can
He says i suffer from delusion
But i’m so confident i’m sane
It can’t be an optical illusion
So how can you explain
Shadows in the rain
And if you see us on the corner
We’re just dancing in the rain
I tell my friends there when i see them
Outside my window pane

Shadows in the rain

Shadows in the rain
(lyrics by STING)
by Sidsel Endresen
Album by Christof Lauer, Jens Thomas and guests

Besuch in einer Alten Heimat – und doch in der Fremde : IKEA – Graz

Die (ungarische) Taxi-Fahrerin meinte: „Es sieht doch dann alles gottseidank immer gleich aus. Der Eingang, die Zufahrt, alles ist wie überall… Bei IKEA weiss man, wie es geht…“

Ja, wie recht sie hat. Erst mal einen Kaffee trinken und Kuchen essen, das hat sie mir auch empfohlen. Also Rolltreppe rauf, gleich hier in nächster Nähe ist das Restaurant, ich denke:  wie viele kommen hier her, um sich einfach mal was Leckeres zu einem vernünftigen Preis und ohne das übliche Tamtam zu gönnen. Und mit der FamiliyCard wird es noch einmal um ein paar Cent günstiger… (!!?)
Wer oder was ist die Family – ein Einkaufsbündnis von zufällig zusammengewürfelten Bewohnern einer WG oder eines Appartements im Low-Budget-Viertel von Graz oder zig anderen Metropolen Europas?

Das Refill am Kaffeeautomaten erlaubt nur den Standard-Set eines nicht definierbaren braunen Aufgusses. Wer besseres gewöhnt ist, muss an die Coffee-Bar. (Bei IKEA München-Süd gab`s alle erdenklichen Coffee-Brews zum selber-Refill einfach auf Knopfdruck  – eine reiche Stadt!). Aber egal, man will sich ja nicht beklagen und ist ja schließlich nicht zum Abzocken hierher gekommen. Sondern weil…

Ja, warum eigentlich? Das zentrale Thema nicht nur von IKEA, sondern auch von vielen anderen Anbietern mit in sich abgestimmter, strukturierter und Ambiente austrahlender Atmospähre ist das Daheim-Sein. Zu Hause, bei sich, ganz individuell, ohne Stress. Und sie haben Erfolg, das muss man zugeben. Ich tue das ohne Bitternis, bin ich doch selbst wieder einmal gefangen von der wohltuenden, anregenden und beruhigenden Atmosphäre des Selbstabholer-Bereiches mit Wohnwelt. Alles ist wie gewohnt an Ort und Stelle, man weiß, wo man was findet, wie in all den Aldi-Filialen, die ja immerhin manchmal auch seitenverkehrt sind (gutes Training für die Gehirnhälften…!) – und die in Österreich übrigens ja auch Hofer heißen.

Blumenvase klein TIDVATTEN. Schön, wenn man Zeit zum Blumenpflücken hat.

Küchen, Schlafzimmer, Arbeitsbereiche, Bäder… alles, von dem ich weiß, dass ich das selbst nie in dieser Form haben werde.  Und doch bin ich wie erholt und erfrischt beim Verlassen des gesamten Einkaufareals. Zwar ernüchtert an der Kassa, dass mein kleiner Einkauf von ein paar wenigen Gegenständen doch zu dieser Summe geführt hat, aber dennoch erleichtert, dass alles, was ich wollte, in der gleich mitgekauften Einkaufstasche, nicht der aus blauem Plastik, sondern einer aus geflochtenen Binsen, wahrscheinlich hergestellt in Indien für ein paar Rupien, Platz hat. Die ganz am Schluss der Verkaufsausstellung präsentierte und gerade im Aufbau befindliche Weihnachts-Welt habe ich geflissentlich übergangen.

Pfanne und Topf OUMBÄRLIG; Klassiker in meinem Haushalt schon in mehrfacher Generation, immer wieder gern gekauft.

Also, IKEA ist wie überall. International. Und doch – irgendwie fremd. Hier: österreichisch nach steirer Art (fehlte da vielleicht das Kernöl auf den Köttbullars?) Platzhalter für etwas, was zu anderen Zeiten und in anderen Situationen mit anderen Inhalten erfüllt war.

Ich denke: der beste Export Schwedens ist neben dem Knäckebrot im Moment Greta. Und dafür bin ich dankbar.

Der (iranische) Taxifahrer, der mich mit meinem Handgepäck wieder zurück zu meinem (japanischen) Auto bringt, das derweil in der Fachwerkstatt mit einem serienmäßig erneuerten Beifahrer-Airbag ausgestattet wurde, kennt sogar eine unzulässige Abkürzung: übers Firmengelände von OBI, wenn die Schranke für den internen Busverkehr nicht zu ist. „Das ist günstiger für Sie“, meint er. Ich spare 2 € 40 C. „Das ist ein schöner Sitzbezug“, meint er zu dem kleinen Teppich namens URSPRUNGLIG in dem unordentlichen Haufen zu meinen Füßen. „Wie der, den ich hier auf meinem Autositz habe“. Ich bedanke mich und wünsche ihm noch einen schönen Tag.

IKEA Graz. Ein wenig alte Welt. Ein wenig neue Welt. Oder doch: eigenlich nur ein Ort, um einen Kaffee zu trinken.

Stadtwappen Graz – der geflügelte Panther

 

Neue Räume

Neuland.

Neue Räume tun sich auf. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, muss dies anerkennen. Nicht nur im Unmittelbaren, es lässt sich sogar global definieren. Und wer dies leugnen möchte, dem sei ans Herz gelegt, die wenigen inhaltlich sachlichen Untersuchungen zur Wanderung bzw. Beschleunigung der Verlagerung des Magnetischen Nordpols der Erde zur Kenntnis zu nehmen. Nordpol wird zu Südpol – auch wenn dies schwer zu denken ist – und gottseidank dauert dieser Vorgang auch an die 1000 Jahre – verlangt es doch einiges an Anpassungsfähigkeit.

Unsere Erde ist ein Lebewesen. Und es ist krank. Die wenigsten Menschen können sich damit anfreunden oder dies in ihr Denken aufnehmen.

Umgang mit Zeit und Rhythmen

Sich einmal einzulassen auf die wirklichen Rhythmen unseres Daseins, Tag und Nacht (hell – dunkel), Licht und Finsterniss (Wärme/Aktivität – Ruhe/Regeneration) wird zusehends schwieriger. Wer kann sich heutzutage noch den Luxus erlauben, „mit den Hühnern ins Bett zu gehen“? Der Aufbau und das Sich-Zurückziehen der Natur, gebunden an die Vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit der entsprechenden Erwärmung bzw. der Abkühlung der Athmosphäre ist sowieso zu einem völlig zufällig zuordenbaren Zustand geworden, von dem unsere Kinder wahrscheinlich in der Zukunft nur aus ihren Schulbüchern (Entschuldigung, Apps und Downloads) erfahren werden.

Übergänge

Von einem Zustand zu dem anderen zu wechseln, strengt uns immer mehr an. Kein Wunder, hat man sich einmal irgendwie und mit einiger Mühe an etwas gewöhnt, heißt es schon wieder Abschied nehmen. Und das nächste Chaos fokussieren. Das verlangt schon einiges an innerer und äußerer Beweglichkeit. In der Reiterei erinnere ich mich, dass immer wieder das Reiten von Übergängen ans Herz gelegt wurde: vom 4-Takt (Schritt) zum 2-Takt (Trab) und wieder zum 3-Takt (Galopp) und so weiter, in allen Kombinationen. Wer (außer den Unverbesserlichen) tut sich denn heute noch so was an?

 

NeuLand.

Besonders beschämend finde ich, wenn sich manche unserer Zeitgenossen aufgerufen fühlen, die unbeschreiblich mutigen und selbstlosen Handlungen der Protagonistin eines neuen Zeitdenkens, der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg,  auf hämische und besserwisserische Art zu kommentieren. Welchen Verlust habt ihr zu beklagen außer der Bestätigung eures egozentrischen Weltbilds?

 

Und zuletzt: Nichts.

Wenn wir uns dem Leben nähern wollen, erfordert das das Eingehen auf Rhythmen, und das ist unbequem. Ohne das Eingehen auf die Zeit- und Raumstruktur der irdischen Verhältnisse wird eine Kommunikation mit den Ursprüngen dessen, was wir als Quelle der menschlichen Existenz auf diesem Planeten empfinden, immer schwieriger.

Die Herbstsaat

Es ist eigentlich noch zu früh, um an Herbst zu denken.

Gerade erst haben wir zwei Monate fast unerträglicher Hitze und voller extremer Bedingungen für Mensch und Tier verbracht – und das nach einem kalten, verregneten Mai mit Heizperioden, der wie eine winterliche Verlängerung erschien. Nun, nach einem übergangslosen Hitze-Sommer seit Juni mit Gewittern, Hagel, tropischen Bedingungen und Insektenplage bis dato denkt Mensch nun schon und unter vorauschauender Absicht an die Begrünung des Filet-Stückes im Garten für den restlichen Teil des Jahres – wer weiß, ob dieser kalt oder warm, trocken oder schwühl-feucht werden wird?
Das Bienenweide-Saatgut „Tübinger Mischung“ kommt da gerade recht, keimt schnell und zuverlässig und erinnert zudem auch noch an den lieben Besuch einer Tübinger Freundin mit Tochter im Juni. Reitunterricht und Ziegen-Wandern waren unsere hofeigenen Angebote in dieser schönen und austausch-reichen Zeit.

 

Die Tiere, Ziegen wie Pferde, haben das beste gemacht aus der Zeit des Untersteh- bzw. Stallzwanges tagsüber aufgrund der extremen Hitze. So langsam wagen sich alle wieder mehr nach draußen, und wir können Ausflüge in den Wald sowie Arbeit am Reitplatz und Ausritte wieder fest in den Alltag integrieren.

In dem bevorstehenden Vor-Herbst erwarten wir die ersten Schritte in der Errichtung einer Zeitgesteuerten Heufutterstation als Erweiterung der bestehenden Raufe: bald werden nach diversen Erdarbeiten die Beton-Fundamente gegossen, und dann wird es im späteren Verlauf des Jahres eine neue, bäuche-schonende Regelung geben, bei der Fresspausen einen festen Bestandteil haben werden…! Oh je.

Mittsommernächte – Mittsommertage

„Wenn die Glühwürmchen einschweben in die Zeit, in die dunklen Mittsommernächte, aus dem Unterholz auf den Weg hinaus, hier eines, dort eines, wieder eines, wenn sie aus dem hohen Gras blinken wie winzige Laternchen überall in der Fichtenschonung, werden wir zu Mitwissern. Lautlos tauchen sie auf, steigen unruhig, als trüge sie ein wechselnder, sanfter Wind empor, tauchen steil wieder ein zu den anderen, die im Gras geblieben sind, ganz an ihr kühles Strahlen gegeben. Und plötzlich sagt es uns auch der Ruf des Käuzchens, das Rascheln eines Tieres im Laub, die matte Helligkeit der Birkenstämme, die Finsternis aus dem Dickicht, der zögernde Schritt der Liebenden, das Aufrauschen in den Wipfeln: ein Fest ist im Gang. In den Glühwürmchen, in den zahllosen grünen Lichtchen wird das Geheimnis der Mittsommernächte sichtbar, wie in den Sternen das Geheimnis des Raums.“

Hellmut von Cube, 1907 -1979