Die Herbstsaat

Es ist eigentlich noch zu früh, um an Herbst zu denken.

Gerade erst haben wir zwei Monate fast unerträglicher Hitze und voller extremer Bedingungen für Mensch und Tier verbracht – und das nach einem kalten, verregneten Mai mit Heizperioden, der wie eine winterliche Verlängerung erschien. Nun, nach einem übergangslosen Hitze-Sommer seit Juni mit Gewittern, Hagel, tropischen Bedingungen und Insektenplage bis dato denkt Mensch nun schon und unter vorauschauender Absicht an die Begrünung des Filet-Stückes im Garten für den restlichen Teil des Jahres – wer weiß, ob dieser kalt oder warm, trocken oder schwühl-feucht werden wird?
Das Bienenweide-Saatgut „Tübinger Mischung“ kommt da gerade recht, keimt schnell und zuverlässig und erinnert zudem auch noch an den lieben Besuch einer Tübinger Freundin mit Tochter im Juni. Reitunterricht und Ziegen-Wandern waren unsere hofeigenen Angebote in dieser schönen und austausch-reichen Zeit.

 

Die Tiere, Ziegen wie Pferde, haben das beste gemacht aus der Zeit des Untersteh- bzw. Stallzwanges tagsüber aufgrund der extremen Hitze. So langsam wagen sich alle wieder mehr nach draußen, und wir können Ausflüge in den Wald sowie Arbeit am Reitplatz und Ausritte wieder fest in den Alltag integrieren.

In dem bevorstehenden Vor-Herbst erwarten wir die ersten Schritte in der Errichtung einer Zeitgesteuerten Heufutterstation als Erweiterung der bestehenden Raufe: bald werden nach diversen Erdarbeiten die Beton-Fundamente gegossen, und dann wird es im späteren Verlauf des Jahres eine neue, bäuche-schonende Regelung geben, bei der Fresspausen einen festen Bestandteil haben werden…! Oh je.

Mittsommernächte – Mittsommertage

„Wenn die Glühwürmchen einschweben in die Zeit, in die dunklen Mittsommernächte, aus dem Unterholz auf den Weg hinaus, hier eines, dort eines, wieder eines, wenn sie aus dem hohen Gras blinken wie winzige Laternchen überall in der Fichtenschonung, werden wir zu Mitwissern. Lautlos tauchen sie auf, steigen unruhig, als trüge sie ein wechselnder, sanfter Wind empor, tauchen steil wieder ein zu den anderen, die im Gras geblieben sind, ganz an ihr kühles Strahlen gegeben. Und plötzlich sagt es uns auch der Ruf des Käuzchens, das Rascheln eines Tieres im Laub, die matte Helligkeit der Birkenstämme, die Finsternis aus dem Dickicht, der zögernde Schritt der Liebenden, das Aufrauschen in den Wipfeln: ein Fest ist im Gang. In den Glühwürmchen, in den zahllosen grünen Lichtchen wird das Geheimnis der Mittsommernächte sichtbar, wie in den Sternen das Geheimnis des Raums.“

Hellmut von Cube, 1907 -1979

Mit Tieren – UNTERWEGS- sein

Einen großen Teil der täglichen Aufgaben verbringe ich zusammen mit und in der Umsetzung der Versorgung für die hier am Hof lebenden Tiere.

Es sind dies die drei eigenen Pferde, die beiden Einstell-Pferde, die drei Ziegen-Buben und die Katze.

Es ist nicht nur so, dass der Tag früh beginnt, er endet meistens auch spät. (Im Beitrag über die Sommerzeit wurde das ja in einer anderen Hinsicht schon thematisiert!). Mit der Zeit hat sich für jede Phase des Jahres ein bestimmter Rhythmus eingestellt, der nach den drei Jahren des Sich-Einrichtens beim Engelwirth sogar schon in einer Art jahreszeitlicher Abfolge wiederkehrt.

Im späten Frühjahr oder frühen Sommer – das wechselt ja ständig – sind die Tage noch mild und frei von Plagegeistern wie Bremsen, Gelsen, Zecken oder Hornissen. So können die Pferde auch tagsüber Weidegang genießen und verbringen die Nacht meist im überdachten Liegebereich.

Auch mit den Ziegen sind gerade jetzt, im frischen Grün des Waldes, schöne und ausgedehnte Wanderungen möglich. Zusammen mit Besuchern macht dies besonderen Spaß! Das Zusammensein mit den Ziegen unterhalb der nahegelegenen Kapelle St. Georg am Voggenberg in mitten der Blumen der herrlichen Magerwiesen ist wirklich ein Vergnügen.

Auch die Arbeit mit den Pferden passt sich den jahreszeitlichen Bedingungen und dem jeweiligen Entwicklungsstand an. Senior Liberty hat genug mit dem beschwerlichen Fellwechsel zu tun, mit Destinta, der Lustiano-Stute im besten Alter, wechseln sich Ausritte, Dressurarbeit und Arbeit an der Hand am Viereck ab. Und mit Funda, der nun 4-jährigen Menorquin-Stute, beginnt gerade das Vergnügen: leichte und spielerische Aufgaben am Platz, im Auslauf unter den anderen Pferden und im schönen und abwechslungsreichen Wald-Gelände sind ideal, um diese junge Dame in ihrer Entwicklung zu beobachten und zu fördern.

Klimawandel und die Kapriolen der Athmospäre und Wetterphänomene lassen das Leben auf einem landwirtschaftlichen Kleinbetrieb in der Südoststeiermark nicht immer leicht erscheinen. Zu sehr sind wir menschlichen und tierischen Bewohner und -mitglieder dieser bunt gemischten und doch liebevoll betreuten Gemeinschaft mit unserem Umfeld verwoben. Und dennoch findet sich nach jedem abenteuerlichen Tag mit den unterschiedlichsten Erfahrungen unserer „Familien“-Mitglieder der Friede ein. Und diesen wunderbaren Traum nehmen wir mit in den nächsten Tag. Und der steckt sicher wieder voller neuer Abenteuer.

It’s Summertime!

Nun haben wir sie offiziell wieder, die Sommerzeit.

Ist das jetzt 6 Uhr, oder 5 Uhr, oder schon 7 Uhr?

Ich möchte einmal aus der Sicht einer Betroffenen in einem der Primärproduktion zugeordneten Sektor, nämlich der Landwirtschaft,  beschreiben, was sich da abspielt: ich muss früher aufstehen, um dann weniger vom Tag zu haben. Das heißt, es ist noch dunkel, wenn ich meinen Tag beginne, dafür muss ich allerdings wieder am Abend bei Helligkeit mein Tagwerk beenden, um am nächsten Tag fit zu sein, um diesen unnatürlichen Rhythmus irgendwie wieder einzuholen.

Wenn die Sonne zur astronomischen Zeit, also Winterzeit, um 5.45 Uhr aufging, so geht sie jetzt um offiziell 6.45 Uhr auf, d.h. wenn ich meinen Tagesrhythmus nach der Sonne richte, bin ich um eine Stunde zu spät dran. Wie soll ich das von heute auf morgen aufholen? Da hilft es mir wenig, wenn am Abend noch die Vögelchen singen, wenn ich Stall und Tor zusperren muss, damit wir morgen wieder auf der Matte stehen können?

Natürlich wird es mit der Zeit besser, d.h. mit jeweils fortschreitender Tageslänge wird dieses Missverhältnis wieder ausgeglichen, ich bin mir sicher, dafür gibt es exakt erstellte Algorhytmen. Nur – was hat das mit dem Leben und den fein abgestimmten Lichtprozessen zu tun, denen diejenigen Lebewesen unweigerlich unterworfen sind, die wie z.B. Tiere ihre Bioprozesse nach den Jahreszeiten eingerichtet haben?

Wie bei so vielem ist im Frühjahr Übergang auf Übergang zu meistern. Die Heizperiode ist zu Ende, und doch fällt es schwer, das wohlige Gefühl am Abend in der warmen Küche am Tischherd aufzugeben. Was will in diesem Jahr kommen?

Noch ist alles keimhaft angelegt, die Knospen sind zwar schon da, aber halten noch inne.

Zu trocken!

Hoffnung auf den Segen von Oben – und vielleicht gibt es auch bald einmal neue Handschuhe.

Ins Tal schauen…

Der Vorfrühlung lässt auf sich warten.

In der Tat, das Gefühl von Veränderung lässt sich tagsüber zeitweise erahnen, wird aber des Nachts Lügen gestraft. Minus 5 Grad Celsius bei Dunkelheit sind derzeit keine Seltenheit, während am Tag zumindest das Licht eine andere Sprache spricht: kommet heraus, ihr Frühlingsboten…!!!

Das macht jegliche Art von Betätigung mit und an der Erde sowie mit den Tieren anstrengend bis mühsam. Weiß man doch nicht: ist es warm, kommt bald der Frühling, oder ist es noch Winter?

Das Programm mit den Bewohnern des Engelwirth, seien es Pferde oder Ziegen, ist daher einer gewissen Improvisation (oder Sparschiene) unterworfen.  – Die Katze hat es sowieso am besten, der Platz auf dem neuen Sofa oder der Kachelofenbank ist ganztags für sie reserviert.

Nun hoffen wir auf eine bald einsetzende Erwärmung, in jeglicher Hinsicht. Ein wenig auf und ab schlendern tun die Ziegen am neu eingezäunten Steilhang, dem sehr vernachlässigten Abschnitt der steilen Hänge am abfallenden Rand des Grundstücks. Ein wenig Abenteuer innerhalb der eigenen Zaunreihen ist schon toll!

Und dann noch die Beschäftigung mit der jungen Menorquin-Stute Funda: alles ist willkommen!

In diesem Sinne: Frühling lass nicht mehr lange auf dich warten…!

Winter in der Südoststeiermark

Während halb Österreich in der Weißen Pracht versinkt, sind wir hier im Bezirk FB („Fast Balkan“) von einer Südströmung verwöhnt. Wir haben nicht nur wenig bis gar keinen Schnee, sondern genießen bei fast vorfrühlingshaften Bedingungen einen ungewöhnlichen Jänner. Das lässt die Aktivitäten rund um Haus und Hof nicht ruhen, und so gibt es immer wieder kleine Errungenschaften zu bestaunen. Die Freude darüber, dass die Arbeit nicht ausgeht, ist halt doch immer gegenwärtig. (!)

So lässt es sich im Auslauf recht angenehm saubermachen, z.B. bei der morgendlichen Stallarbeit. Die Pferde haben zwar die Nachttemperaturen um und unter 0 Grad Celsius als Rahmenbedingung, sind aber damit weitgehend zufrieden und mümmeln in großer Gelassenheit ihr Heu. Einfache Ausritte, sogar ein wenig Galopp im Wald, und gemütliche Schritt-Passagen auf dem allergings gefrohrenen Reitplatz ergänzen unser Programm.

Die Ziegen genießen ebenfalls das trockene Wetter und begeben sich mehr als erwartet ins Gelände. Bald wird es auch eine Erweiterung ihres Auslaufes geben, denn dank der guten Bedingungen wird es demnächst ein neues eingezäuntes Waldstück geben.

Die große Errungenschaft zwischen den Jahren, das neue Tor zum Reitplatz, macht riesig Spaß und ist eine echte Bereicherung: dank der Unterstützung durch einen jungen Freund und Handwerker haben wir das lang zuvor erworbenen Tor (mit einem englischen Namen, soll aber keine Werbung für den Hersteller sein!) endlich an Ort und Stelle platziert. Das bedeutet echten Luxus!

Ein wenig Winter wird doch noch auf uns zukommen, davon gehen wir alle aus – derweil jedoch sind wir zufrieden und harren der Dinge.

Eine Woche vor Weihnachten

Ring the bells that still can ring,
forget your perfect offering.
There is a crack in everything,
that’s how the light gets is.

Leonard Cohen

 

Wir wünschen allen Freundinnen und Freunden und allen, die uns in diesem Jahr begleitet und unterstützt haben, eine ruhige und sinnerfüllte weihnachtliche Besinnungszeit.

Das Licht, das zwischen den Ritzen hereindringt, wie es Leonhard Cohen so treffend ausdrückt, möge es zu unserer Menschwerdung beitragen.

Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.  (Lukas 3, 4-6)

Stubenhocker

Es ist nicht nur lohnenswert und äußerst interessant, die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Tiergattungen auf einem Hof zu beobachten, wenn es, wie in diesem Jahr, einen abrupten Wechsel der Jahreszeiten gibt. Es lässt auch Rückschlüsse über die eigenen Bedürfnisse der Menschen zu. Bewusstwerden und danach handeln, das fällt dann leichter… Doch dazu später.

Nun haben sich Felinen, Equiden und Caprinae, die hier beim Engelwirth vertretenen Gattungen der Katzen, Pferde und Ziegen, den nun recht rasch eingetretenen winterlichen Bedingungen angepasst – oder vielmehr anpassen müssen. 5 ° Celsius minus Dauerfrost tagsüber nach einem überaus milden und fast spätsommerlichen November sind derzeit eine „Kalte Dusche“.

Die Katze verlässt das Haus nur noch neugierdehalber, um danach fluchtartig den Rückzug auf empfindlichen Pfoten anzutreten.

Die Pferde haben ihren Plüsch, der seit September gewissenhaft aufgebaut wurde, nun vollends aufgestellt. Vor allem der Senior, der alte Herr Liberty mit 28 Jahren, sieht aus wie ein Teddybär und wandert zwischen Heuraufe und Liegebereich umher, und das ohne Umwege: man sieht, wie wohltuend die Trennung der Funktionsbereiche, wie sie in der Laufstallhaltung in der Regel praktiziert wird, ist: die Pferde können in Ruhe im Liegebereich dösen, während anderen noch gerne ein wenig an der Heuraufe knabbern.

Und die Ziegen werden derzeit mit einem raschelnden Kuschelbett aus Strohpellets und einem Heu-Stroh-Gemisch verwöhnt, das sie zwar gern zu einzelnen Ausflügen zu den alten, abgetragenen Apfelbaum-Weidegründen verlassen. Wenn es dunkelt, kommen sie jedoch fluggs wieder in den Stall, der des Nachts gut verschlossen ein gemütliches und trockenes Rückzugsgebiet und eine ruhige Schlafstätte bildet.

Und die Menschen?

In der Stube lässt es sich gut verweilen. Vor allem, wenn über Wochen und Monate von anstrengender Baustellentätigkeit ein Ergebnis erreicht ist, das sich sehen lassen kann! Boden, Wände, WC und Bad…, und was noch alles.
Fast alles am Engelwirth hat sich verändert, was die Wohnsituation betrifft, und das bedeutet einen Luxus, den wir noch gar nicht zu nutzen gewohnt sind. Allem voran die wunderbare Wärme, die der historische Kachelofen samt saniertem Kamin sowie die Erneuerung der Böden in Saal und Küche darstellen. Noch ein paar „kosmetische“ Ergänzungen, und dann erst mal aufatmen und genießen.

Tier und Mensch, Pflanze und Mineral, alles findet nach und nach seinen Platz. Und vielleicht auch bald eine adventliche Winterruhe.

Helle Nacht

Himmel ist weit aufgetan,
Tausend Sterne ziehn hinauf,
Golden geht der Mond noch auf,
Aller Glanz der Nacht bricht an.
Wald und Flur und ich und du
Sind in hellen Schein getaucht.
Dunkelheit und Leid verhaucht,
Löst sich all’s in Licht und Ruh.

Ernst Thrasolt · 1878-1945

 

Herbst – (Zeit) – L(o)ese

Im Herbst wird ja bekanntlich auch der Wein gelesen sprich geerntet, dann gibt es Sturm.

Wer das versteht, ist auf jeden Fall der deutschen Sprache mächtig, muss aber auch inhaltlich die Begriffe zuordnen können, vielleicht entstehen dann sogar Bilder, solche die dazugehören und längst vergessene Erinnerungen an Kartoffelfelder und den Geruch von Rauch und Nebel wecken, klare Tage und kalte Morgen.

Im Herbst ist die Zeit los oder zeitlos. Die Tage werden kürzer, und, ach ja, sogar die sogenannte „Zeitumstellung“ steht uns bevor – eine Trickserei, die uns weismachen will, wir hätten irgendwas eingespart, dazugewonnen oder sonst einen Vorteil von der Umetikettierung. Dabei lässt es sich nicht leugnen: im Herbst ist das Violett der Herbstzeitlosen ein ersten Anklang, eine Vorausahnung der kleinen Freudenboten des Frühling, die Krokusse. Hier in der Südoststeiermark ist mir in unserer Region noch keine Herbstzeitlose untergekommen, Gott sei Dank für die Pferde, denn sie ist stark giftig, auch noch im Heu.

Vielleicht ist der Herbst sogar auch tatsächlich eine Zeit zum Lesen. Die eine oder andere Bettlektüre schaffe ich immerhin noch trotz rechtschaffener Müdigkeit, bevor mir nach den erlebnisreichen Tagen, die wir hinter uns und auch noch vor uns haben, die Augen zufallen: Fertigstellung Eingewöhnungsbereich und Weidehüttenbefestigung im Auslauf, die neue betonierte Mistlege, Ziegenwanderung und Ausritte mit der Jungstute Funda, große Renovierungsfortschritte im Wohnhaus (Kachelofen, Elektrik, Fliesen in der Speis, Kaminsanierung…). Vor uns liegt noch eine weitere anstrengende Phase der Restaurierungsarbeiten im Haus, alles auch noch Herbst-Aufgaben!

Und nicht zuletzt: vielleicht hat der Herbst auch etwas vom Loesen. Was hat das Jahr uns aufgegeben? Was davon können wir ernten? Was bereitet sich für das nächste Jahr vor, still und heimlich jetzt schon in den Laubhaufen und unter den Bretterverschlägen?

Die gute Oktobersonne scheint noch, und noch ist die Erde warm und aufnehmend. Noch ein wenig die Seele baumeln lassen…